Steffen Hartig schwimmt 42km und radelt zwischen den 5 Seen 42km!

Jetzt wird’s ernst: Es ist 5:59 Uhr in Seeshaupt am Südende des Starnberger Sees, das Wasser glatt wie ein Spiegel – ich bin fertig zum Losschwimmen. Punkt 6.00 Uhr bläst Alena in die Vuvusela, aber wo ist nur meine Kajak Begleitung? Mein Betreuerteam rät mir, ohne ihn los zu schwimmen und macht sich auf die Suche… rhythmisch im 3er Zug geht es in Richtung der 11km entfernten Landzunge bei Ammerland. So nach gefühlten 30 Minuten taucht mein Kajakbegleiter Matthias auf, OK jetzt ist alles gut. Never change a winning Team, wenn´s darauf ankommt ist auf ihn zu 100% Verlass, da möchten man keinen anderen Begleiter neben sich haben. Bereits an der Landzunge war es vorbei mit dem glatten Wasser, denn der eher unübliche Nord-Ost Wind wurde stärker. Ich passiere eine kleine Gruppe von 4 Schwimmern, die auch Richtung Starnberg unterwegs waren. Was für eine Überraschung – schnell ein Gruppenbild auf einer Badeinsel geschossen und weiter geht’s – ich habe ja noch was vor heute. Der Wind wurde stärker, die Wellen größer und das Schwimmen schwieriger. Am Steg Leoni war schon klar, dass die letzten 4 Km wegen der größer werdenden Wellen nochmal richtig Zeit & Kraft kosten, besonders die Querung zum Westufer in Richtung Ziel. Der Wind drückt uns stark nach Osten und wir weichen etwa 500m von der Ideallinie ab. Alex kommt mir die letzten 300m entgegen und begleitet mich bis zum Ausstieg. Ein herzlicher Empfang am Steg, Besi und der stellv. Landrat Hr. Weidner begrüßen mich als erste. Familie und Freunde applaudieren und beglückwünschen mich nach den ersten 20km Schwimmen. Ein Briefkuvert vom Landrat und Glückwünsche für ein gutes Gelingen der noch folgenden, weiteren Seen nehme ich gerne an, ziehe mich schnell um, steige auf’s Tandem und radle zusammen mit Besi los.

Ich bin durch den Gegenwind etwas in Zeitverzug geraten und wir treten kräftig die Steigung nach Söcking hoch und weiter nach Andechs. Mit einem Schnitt über 35 km/h kommen wir in Aidenried am Ammersee an. Kein Wunder, dass mein Puls um 30 Schläge höher als beim Schwimmen ist. Das Einsteigen in den Neo gestaltet sich etwas schwierig, denn ich bin geschwitzt und möchte keine weiter Zeit verlieren. René und zwei junge Mädels schwimmen mit mir zusammen los. Auf den ersten 2,5km im Ammersee ist das Wasser noch relativ ruhig und gut schwimmbar. Ab der Herrschinger Bucht trifft uns der stramme Ostwind und ein kräftezerrendes Schwimmen beginnt. Eine freundliche Kajakfahrerin begleitet Matthias und mich dankenswerterweise durch die Bucht, was mir als Schwimmer zusätzliche Sicherheit gibt, denn die Segelboote kreuzen aufgrund der Windstärke mit hohem Tempo. Nach einer gefühlten Ewigkeit erreiche ich die 30km Marke auf der Höhe von Breitbrunn. Ich spüre Schmerzen in der HWS, mir ist leicht schwindlig und die ersten leichten Krämpfe melden sich. Genau zum richtigen Zeitpunkt taucht Stefan auf und schwimmt mit mir die letzten 5 km an der Ostseite die Uferlinie entlang. Mit sichtlichem Kräfteverlust steige ich bei Stegen etwas wacklig aus dem Wasser, beginne zu zweifeln, ob ich es schaffen werde. Ich hatte von Anfang an Respekt vor dem Ammersee und nun fühle ich die Bestätigung in jedem Muskel. Das Umziehen für’s Radfahren fällt mir schwer, ich muss langsam machen und mich setzen. Nudelsuppe, ein Energieriegel und guter Zuspruch von Zuschauern, Freunden und meinem Besi&Friends Begleitteam sorgen wieder für neuen Schwung und positive Gedanken.

Ok, dann auf zum Wörthsee. Dort warten bereits Didi aus Regensburg und zwei junge Mädels von den Brucker Wasserratten zum mitschwimmen – da kann ich doch nicht nein sagen. Schon wieder Gegenwind die ganze Strecke „Wer hat eigentlich die Schwimmstrecke von Südwest nach Nordost geplant?“ frage ich mich und wir weichen von der Ideallinie ab, um die letzten 800m an der Uferlinie entlang etwas windgeschützter schwimmen zu können. Beim Ausstieg am Augustiner in Steinebach werde ich neben weiteren Freunden und Bekannten auch von der Inklusionsbeauftragten Frau Gasafy empfangen, die mir viel Erfolg und Kraft für die letzten beiden Seen wünscht. Am Pilsensee angekommen, erfolgt wieder der Kampf, mit feuchter Haut in den nassen Neo zu kommen. Ich nehme es mittlerweile gelassen, denn ich habe gut Zeit aufgeholt seit dem Starnberger See und es sind ja „nur“ noch rund 3 km, die mich vom Ziel trennen. Meine Stimmung steigt, ein erfolgreiches Gelingen wird immer wahrscheinlicher. Wieder begleitet von zwei Schwimmern, Didi und Andrea von Besi & Friends, erreichen wir das Strandbad Pilsensee. Zum letzten Mal ziehe ich die Radklamotten an, laufe hoch zur Straße, aufsitzen und los. Die letzte gemeinsame Radstrecke, die letzten 7km zum Weßlinger See. Jetzt nur keinen Defekt oder Sturz haben. Wie auch auf den bisherigen Radstrecken, erreichen wir von Freunden und Bekannten begleitet unversehrt den letzten See.

Jetzt nur noch 500m Schwimmen. Das gegenüberliegende Ufer stets vor Augen schwimme ich begleitet von weiteren Mitschwimmern hin zum erlösenden letzten Steg am Wasserberghäusl. Nach etwas mehr als 8 min bzw. 13:36h für die gesamte Strecke dann: Abklatschen, umarmen, pure Freude und Erleichterung! Eine überschäumende Begrüßung durch Besi und alle anderen Helfer, Applaus von den Gästen und die obligatorische Sektdusche machen diesen Tag unvergesslich. Wir haben es wirklich geschafft! Vielen Dank an alle, die das möglich gemacht haben, dieser Tag wird mir unvergesslich bleiben.

Die Spendensumme: 3793€

Ein riesiges DANKESCHÖN auch an alle Spender.