Markus Eder ist dieses Jahr zum zweiten mal nach Hamburg zum Wettkampf gereist.

Freitag, noch zwei Tage bis zum Start vom IRONMAN Hamburg. In strömendem Regen stand ich unter den völlig überfüllten Tribünen des Racebriefings und konnte einige Wortfetzen aufschnappen, wirklich Neues oder Informatives gab es nicht. Ich hab dann noch kurz die Wechselzone besichtigt, die Startunterlagen geholt und mich anschließend gleich in meine Unterkunft, eine Bundeswehrkaserne verdrückt.
Auf meinem Plan stand am Freitag noch eine kleine Radrunde, die aufgrund des Wetters in meinem Zimmer auf der Rolle absolviert werden musste. Für den kurzen Lauf im Anschluss musste ich wieder raus in den Regen. Die Nacht in der Kaserne war wunderbar, ich habe sehr gut geschlafen, was wichtig ist, denn diese Nacht ist ja angeblich die wichtigste vor dem Wettkampf.

Samstag: Immer noch strömender Regen, also ab ins Hallenbad und auf in die letzte lockere Einheit. Im Schwimmbad habe ich die Sportschwimmerbahn gewählt, wurde jedoch nach zwei Bahnen von meinen Mitschwimmern belehrt, dass auf dieser Bahn schon schneller geschwommen wird und ich doch bitte die Bahn wechseln möge. Kurz vorm Wettkampf so eine Ansage ist jetzt nicht optimal für die Psyche, aber schwimmen ist ja nur ein kleiner Teil, hab ich mir zumindest eingeredet.
Nach dem Schwimmen wieder auf die Rolle und dann noch ein kurzer letzter Lauf im Regen.
Anschließend gings zum Bike Checkin. Alles war sehr gut organisiert. Es regnete immer noch in Strömen. Ich habe mir mit dem Checkin extra bis 17 Uhr zeitgelassen in der Hoffnung, dass es endlich aufhört, aber dies war leider nicht der Fall. Also das Rad abgestellt, die Schuhe nicht wie üblich gleich in die Pedale sondern in den Plastikbeutel und alles schön zugeknotet.
Danach gab es eine hervorragende Pizza und ein alkoholfreies Weißbier (zum Glück werden bayerische Spezialitäten in die ganze Welt exportiert). Beim Rückweg in die Kaserne bildete ich mir ein, dass es schon weniger regnet.

Die Nach war wieder optimal. Ich habe echt gut geschlafen und bin kurz vor dem Wecker um 5 Uhr aufgewacht. Sofort der Blick aus dem Fenster: Top! Kein Regen, leichter Nebel, die Straße leider noch nass. Ab dann habe ich mich an meinen festen geheimen Essen- und Trinkplan gehalten damit es mir nicht wieder so geht wie letztes Jahr in Roth.

Ab in die Wechselzone, man was habe ich mir Sorgen wegen dem Parkplatz gemacht, völlig umsonst. Ich konnte mit dem Auto direkt neben dem Eingang parken. Ich glaube es hat sich sonst niemand getraut so nahe ranzufahren.
Meinem Rad gings gut, die Beutel sind trocken geblieben. Ich habe mich dann etwas umgeschaut was die anderen Athleten so machen. An so einem Morgen spielen sich in der Wechselzone ja immer Dramen ab. Da wird noch schnell die Kurbel gewechselt??? Neue Schläuche eingezogen. In die Büsche gekot… und dann wieder Kartoffeln verspeist?

6.40 Uhr jetzt wird’s ernst. Sonnenaufgang und der Start der Profis. So richtig bekannte waren bei der ersten Ausgabe leider nicht dabei. Die Musik infernalisch, der Helikopter über dem Schwimmstart, die 2500 anderen Athleten am Schwimmstart, ein besonderes Gefühl, dass ich dieses Mal richtig genießen konnte.

Ab 7 Uhr gings los mit dem Rolling Start. Im 2,5 Sekunden Takt werden immer vier Athleten ins Wasser gelassen. Ich stand ziemlich weit vorne und dürfte unter den ersten 200 gewesen sein. Das Wasser war saukalt und trüb, aber die Kulisse mitten in der Hamburger City toll!
Nach 64 Minuten bin ich aus dem Wasser, eine Zeit mit der ich gerechnet habe. Der Wechsel verlief ohne Probleme.

Auf dem Rad habe ich lange gebraucht bis ich einigermaßen einen Rhythmus gefunden habe. Die ersten 30 Kilometer fuhr immer ein Motorrad mit Wettkampfrichter in meinem Bereich und hat reihenweise verwarnt, nicht wegen Windschatten sondern wegen dem Rechtsfahrgebot. Ein Highlite war die Köhlebrandbrücke über der Elbe und dem Hamburger Hafen. Es handelt sich um eine Autobahnbrücke, die eigentlich für den Rad- und Fußgänger Verkehr gesperrt ist. Die Strecke war sehr gut abgesichert. Man hatte sogar die Schienen im Hafenbereich provisorisch geteert. Ich bin zwar die Strecke vor vier Wochen schon einmal abgefahren, war trotzdem überrascht. Der Wind war sehr unangenehm, kam von allen Seiten, vor allem in der flachen Lüneburger Heide gab es wenig windstille Bereiche.
Insgesamt waren es auf den 180 Km gut 1000 Höhenmeter. Für die Strecke habe ich ziemlich genau 5 Stunden gebraucht. Nicht optimal, gerechnet habe ich mit 4.45. Aber ich habe mich genau an die vorher, mit meinem Trainer, festgelegte Wattzahl gehalten um noch Reserven für den Marathon zu haben.

Nach dem Rad habe ich mein Sub10 Ziel schon aufgegeben. Der Plan war den Marathon in vier Stunden also mit einer Pace von 5.40 zu laufen. Ich fühlte mich so gut, dass ich mich Angangs regelrecht zwingen musste so langsam zu laufen. Mir kam dann immer wieder die Erinnerung vom letzten Jahr in Roth hoch, wo das laufen ab Km 25 zur Qual wurde, das wollte ich unbedingt vermeiden. Ich hielt mich genau an meinen Verpflegungsplan, was sich letzten Endes bezahlt machte. Der Mann mit dem Hammer kam nicht! Ich konnte die letzten 20 Kilometer noch richtig Gas gegeben und hatte mein Sub10 Ziel wieder vor Augen.

Den Marathon schaffte ich in 3.45 Stunden, ergibt eine Gesamtzeit von 9:59:09 Stunden.
Platz 39 in meiner Altersklasse, Platz 178 Gesamt!
Ziel erreicht!