Vier Jahre hatte Anja Kobs darauf hintrainiert, jetzt war es endlich soweit: der erste Start über die Triathlon Langdistanz mit 3,8 km Schwimmen, 180 km Radfahren und 42,195 km Laufen stand an. Für ihr Debut ausgesucht hatte sich die für das Tri Team FFB startende Athletin das Traditionsrennen in Zürich, das heuer bereits zum 20igsten Mal stattfand. Mit am Start war auch Kerstin Meier, die am Zürichsee ihre zehnte Langdistanz finishen wollte. Als die Startkanone um 6.45 Uhr die Athleten ins Rennen schickte, präsentierte sich der malerisch gelegene Zürichsee scheinbar von seiner besten Seite: ruhiges Wasser, gute Sicht und kaum Wind. Doch mit zunehmender Entfernung vom Land schwand die Idylle: das Wasser wurde unruhiger und die vielen kleinen Wellen erschwerten das Vorankommen. Nach 1.15 Stunden erreichte zunächst die in der Altersklasse 40 bis 45 Jahre (AK 40) angetretene Anja Kobs als Zwölfte ihrer Altersklasse das Ziel an der Ländiwiese, Kerstin Meier folgte eine Viertelstunde später als Zehnte in der AK 50.

Während ihre Vereinskameradin schon die ersten Radkilometer abspulte, kämpfte Meier in der Wechselzone mit den Nachwirkungen des Seegangs im Zürichsee: „Irgendwie hat sich alles gedreht und mir war richtig schlecht.“ Auch bei Vereinskameradin Kobs lief es auf dem Rad zunächst alles andere als rund: „Erst habe ich meine Brillenlinse verloren, dann hatte ich Probleme mit dem Radcomputer und später funktionierte auch die Leistungsmessung nicht mehr.“ Obwohl die in Alling lebende Athletin vor allem in der zweiten Runde mit ihrer Radleistung haderte, hatte sie sich mit einer Zeit von 5.58 Stunden auf den 7. Platz in ihrer Altersklasse vorgearbeitet. Und das Beste aus ihrer Sicht kam ja noch: der Marathonlauf. Nach vorsichtigem Beginn konnte die Athletin des TuS Fürstenfeldbruck bis Kilometer 25 ihren Schnitt von fünf Minuten pro Kilometer halten, dann begann auch für sie die bei einer Langdistanz quasi mitgebuchte „Zeit der Leiden“:  der Magen rebellierte, die Beine verkrampften und der Schritt wurde schwerer und schwerer. Doch angefeuert von den zahlreichen Zuschauern und ihrer Familie bewältigte sie den Vier-Runden-Kurs mit Abstecher durch die weltbekannte Züricher Bahnhofstrasse trotzdem in respektablen 3.43 Stunden. Unendlich glücklich und mit Freudentränen überquerte Anja Kobs als Vierte der AK 40 und 33te Frau gesamt nach 11.02 Stunden die Ziellinie.

Vereinskameradin Kerstin Meier, die zu diesem Zeitpunkt noch drei Runden zu laufen hatte, dachte derweil ernsthaft ans Aussteigen: „Der Magen hat sich einfach nicht beruhigt, ich konnte auf dem Rad kaum was essen und keinen Druck aufs Pedal bringen.“ Doch nach der ersten Laufrunde beschloss die Athletin, ihr zehntes Rennen über die Langdistanz irgendwie durchzubringen. Als die 53-Jährige nach unendlich scheinenden 14.24 Stunden schließlich als Siebte der AK 50 von den Sprechern im Zielkanal empfangen wurde, verkündete sie spontan: „Das war definitiv mein letzter Ironman.“ Ehemann Andreas quittierte die Äußerung mit einem wissenden Lächeln: „Lass‘ uns da mal die nächsten Tage drüber reden.“